{"id":196,"date":"2012-09-20T15:06:09","date_gmt":"2012-09-20T13:06:09","guid":{"rendered":"https:\/\/gourmet-report.de\/blog\/?p=196"},"modified":"2015-04-17T20:55:01","modified_gmt":"2015-04-17T18:55:01","slug":"196","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gourmet-report.de\/blog\/196\/","title":{"rendered":"Wenn luxurioeses Reisen unbefriedigend ist"},"content":{"rendered":"<p>Ich reise gerne und viel. Ich arbeite viel und habe gut verdient. Deswegen muss ich nicht auf den Cent gucken, wenn ich reise. Ich wei\u00df dennoch, was der Euro wert ist. Und es ist so oft so j\u00e4mmerlich, was man f\u00fcr sein Geld bekommt. Deswegen reise ich jetzt immer \u00f6fter weniger luxuri\u00f6s. Das Gef\u00fchl, abgezockt zu werden, ist nicht sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Wenn ich diese Zeilen schreibe, bin ich auf dem R\u00fcckweg von einer vierwoechigen USA Reise.<br \/>\nEs ist 5.30 Uhr, ich sitze in der Business Class der Iberia auf dem Weg nach Berlin via Madrid und habe 3 Stunden schlafen k\u00f6nnen. Wir hatten eine sch\u00f6ne Ostk\u00fcsten-Reise. Der Check in dauerte lange bei der Iberia, obwohl wir gleich dran waren.<!--more--><br \/>\nDanach ging es in die BA Lounge. Au\u00dfer Chips und Schokoriegel gab es da nichts. &#8222;Sir, we are closing soon&#8220; meinte die Mitarbeiterin. Es war voll in der Lounge. Nach dem ich mich massiv beschwerte, wurden Wraps gebracht. Au\u00dferdem entdeckte ich einen Fruchtkorb mit in Plastik eingeschwei\u00dften \u00c4pfeln und einen widerlich angegammelten Pfirsich. Warum keiner diese Frucht entfernt?<\/p>\n<p>Ich fliege Iberia, weil die auf allen Langstrecken so eine Art flaches Bett haben. Es ist nicht ganz flach und zu kurz, aber ich kann sicher sein, dass es da ist. Bei vielen Airlines wei\u00df man nicht, was man bekommt, da jedes Flugmuster anders ausgestattet ist. Selbst wenn man &#8211; wie ich es tue &#8211; bei Seatguru.com nachguckt, wie die Maschine ausgestattet ist, so ist man nicht davor gefeit, dass die Airline kurzfristig die Maschine austauscht. Das \u00e4rgert mich dann besonders, wenn ich das 3-6fache des Economy-Preises bezahle, aber eine Economybestuhlung mit Mittelsitz frei erhalte.<\/p>\n<p>Da ich ja nun in der Iberia sa\u00df, hatte ich das Bett. Wir hatten eine ziemlich alte Crew. Das kann von Vorteil sein. Von Nachteil jedoch war, dass die beiden tollpatschigen Stewardessen, beide knapp 50, kaum Englisch sprachen. Auf dem Flug von USA. Ich h\u00e4tte sie f\u00fcr Praktikanten gehalten, so einen unsicheren Eindruck machten sie.<\/p>\n<p>Sie boten uns O-Saft an. Ich fragte, ob er frisch sei. Nein, &#8222;Brick&#8220;.<br \/>\nOb er gezuckert sei? Ja!<br \/>\nIch bat darum, die Verpackung zu sehen. Es war 100 % Saft, ungezuckert. \u00c4hnlich kompetent waren die beiden die gesamte Reise.<br \/>\nWie kann das sein?<\/p>\n<p>Ich bekam die Speisekarte, besser gesagt eine Mappe mit sehr vielen Bl\u00e4ttern. Einige waren Verkaufsprospekte f\u00fcr Wein oder Hugo Boss Uhren. Ich w\u00e4hlte dann die Ravioli, die Gattin den Heilbutt.<br \/>\nEine der Damen brachte uns ein nicht mehr hei\u00dfes Tuch und gleichzeitig kam die Kollegin zum Eindecken. Wie ich gleichzeitig mich s\u00e4ubern und den Tisch hervorholen sollte, war nicht klar. Es entstand Hektik.<\/p>\n<p>Dann kam das Essen. Ber\u00fchmte spanische K\u00f6che beraten Iberia. Aber auch sie k\u00f6nnen nichts machen, wenn die Stewardessen das Essen zu lange erhitzen. Der Fisch war tot und die Ravioli komplett ein Brei. Beides geschmacksneutral. Luxuri\u00f6ses Reisen?<\/p>\n<p>Mein Bett lies sich nicht vern\u00fcnftig ausfahren, so dass es sehr kurz war und wie eine Sonnenliege nach unten hing. Es war trotzdem bequemer als in der Eco, die bis zum letzten Platz gef\u00fcllt war.<\/p>\n<p>Jedes zweites Glas, das wir bekommen haben, war etwas schmuddelig. Brot wurde ohne hinzugucken in die Oelschale gelegt.<br \/>\nAlles so unerfreulich, wenn man bedenkt, was man daf\u00fcr bezahlt.<\/p>\n<p>Meinetwegen muss es keinen Service geben, lieber das Bett preiswert verkaufen und den Rest modular anbieten. Es muss ja nicht wie bei Ryanair ausarten und der Flug zur Verkaufsaktion mutieren.<br \/>\nDie Iberia-Mutter British Airways &#8211; die einen \u00e4hnlich bescheidenen Service, manchmal fast schon ruppig, anbietet &#8211; hat es geschafft, leckeres Essen zu machen. Simon Hulstone hei\u00dft der Chef, der mit BA wirklich gutes Essen f\u00fcr die Business Class entwickelte und das die Stewardessen offenbar korrekt kochen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>45 Minuten vor der Landung will die Stewardess von meiner Frau den Kopfh\u00f6rer zur\u00fcck. Sie verweigert den Wunsch. Auch gut. Ich soll mein IPad ausstellen. Es ist im Flugmodus. Das w\u00e4re bei der Iberia aus Sicherheitsgruenden so. Vor dem Abflug informierte der Purser, das Rauchen im Flugzeug die Sicherheit gef\u00e4hrden k\u00f6nnte. Denken die, dass wir bl\u00f6d sind? Fr\u00fcher wurden jedem Flieger geraucht.<\/p>\n<p>Jetzt sitze ich in der Madrid Lounge der Iberia und das WLAN Internet, das man alle 30 Minuten mit 8stelligen Usernamen und genauso langen Password erneuern muss, mit Gross- und Kleinbuchstaben sowie Zahlen, ist so langsam, das ich nicht einmal emails abrufen kann. Im Jahr 2012! Was denkt sich die Iberia eigentlich?<\/p>\n<p>Weiterflug im Airbus 319. Normale, enge Economy Bestuhlung. Mittelsitz frei. Reihe 1 und 2 sind per Vorhang getrennt, der genau im Nacken ist. Die Gep\u00e4ckablage ist komplett voll mit Safety Demo und anderen Ger\u00e4tschaften. Crew spricht kein Deutsch, keine Safety Instruktion auf Deutsch.<br \/>\nDas IPad muss bei der Iberia immer bei Start und Landung aus sein, die Sitze k\u00f6nnen gekippt sein, die Fenster auch zu. Wieso macht jede Airline andere Regeln?<\/p>\n<p>Nach einer gef\u00fchlten Ewigkeit kommt das Catering. Seeteufel. Wieder zerkocht. Er zerfiel im Mund. Schade.<\/p>\n<p>Eine zeitlang, als das Essen noch gratis war, servierte Air Berlin Nudeln mit Tomatenso\u00dfe. Nichts besonders, aber essbar. Billig f\u00fcr die Airline, akzeptabel f\u00fcr den Gast. Besser als das ganze \u201ewillemal und kannicht\u201c Zeug.<\/p>\n<p>Das Klo teilen wir uns mit den Eco Paxen, die jedesmal den Vorhang auf mich schoben.<\/p>\n<p>Reisen ist so unangenehm geworden.<\/p>\n<p>Flug ist das eine, Unterkunft das andere. Wozu braucht man noch Luxushotels, wenn die nichts gebacken bekommen?<br \/>\nWir hatten auf unserer Tour fuenf Hotels. Das erste in Miami Beach war ganz okay, ein Apartment Hotel. Schlafzimmer, Wohnzimmer mit K\u00fcche, Balkon, sch\u00f6ner Meerblick. Wenig Service, das Zimmer wurde geputzt. Akzeptabler Preis. Es war eher wie die eigene Wohnung. Etwas weit weg vom South Beach. Sehr gutes Fr\u00fchst\u00fcck, von der Gattin liebevoll zubereitet.<br \/>\nAuf der n\u00e4chsten Station, Orlando, sollte es die SpringHill Suiten von Marriott sein, ein Kettenaparthotel. Die Gattin wollte lieber etwas mit Fr\u00fchst\u00fcck, also buchte ich auf das Park Hyatt um. Das wird von Paul Tang gef\u00fchrt, der auch Pr\u00e4sident von Visit Orlando ist. Hier stimmte nichts. Die Katalogversprechen wurden nicht eingehalten, das Personal war eher auf Verkaufen und auf Trinkgeld aus. Alles musste man sich m\u00fchsam erk\u00e4mpfen. Das Zimmer war soweit sch\u00f6n, die Anlage ebenso. Beim Fr\u00fchst\u00fcck musste man bis zu 30 Minuten warten, das Buffet war okay, wenn nachgelegt wurde. Das Obst war sehr gut.<br \/>\nJedes Extra im Haus musste man bezahlen, selbst Parken.<\/p>\n<p>Danach wohnten wir in einem 3-4 Sterne Boutique Hotel in Washington, wieder mit eigener Minik\u00fcche. Wieder war das Fr\u00fchst\u00fcck Weltklasse. Wieder von der Frau gemacht. Das Zimmer wurde nicht sehr gut gereinigt, der Service war eher rudiment\u00e4r. Die Location war nett. Nichts besonderes.<br \/>\nIn Philadelphia dann das gleiche, nur das es noch etwas schmutziger war, das Zimmer ganz schlecht gestaltet war und es noch weniger Service gab. Aber gute Lage. Fr\u00fchst\u00fcck war alles in Verpackungen, eher scheu\u00dflich. Am fr\u00fchen Abend, 4x die Woche, gab es Wein und K\u00e4se gratis.<br \/>\nIn Upstate New York wohnten wir in einem Hampton Inn. Das fand ich nett. Fast Null Service. Gro\u00dfes Zimmer mit K\u00fchlschrank und Mikrowelle, sowie Kaffeemaschine. Alle waren ganz reizend da. Es gab eine Waschmaschine, die Ladung f\u00fcr 1,50$. Wir wurden eingeladen, weil wir so lange aufs Wechselgeld warten mussten. Koffer schleppt man hier selber, es gibt Gep\u00e4ckwagen und Fahrstuhl, sowie Gratis-Parkpl\u00e4tze. Alles unproblematisch.<br \/>\nGut gefiel mir der Schallschutz. Es war mit Abstand das ruhigste Hotel, solange wir die Klimaanlage auslie\u00dfen.<br \/>\nAnschlie\u00dfend wollten wir uns was g\u00f6nnen und wohnten 2 N\u00e4chte im <strong>Gramercy Park Hotel<\/strong>. Als wir um 18 Uhr anreisten, war unser Zimmer nicht frei. Das puffige Zimmer war schlecht gereinigt, es war bis 3 Uhr nachts laut. Zum Fr\u00fchst\u00fcck wollten wir auf die vom Hotel so angepriesene Dachterrasse. Diese war gesperrt, da vermietet. Man empfahl uns, andere Terrassen in anderen H\u00e4usern zu besuchen. Da wir bei der Abreise ewig auf den Gep\u00e4cktr\u00e4ger warten mussten, haben wir unser Gep\u00e4ck selber runtergetragen. Ein teurer Reinfall.<br \/>\nDie letzte Station war das <strong>Desmond Tutu Center<\/strong>. Hier hatten wir preiswert ein sch\u00f6nes Zimmer. Klein und sauber und in einer interessanten Gegend von Manhattan, dem Meatpacking District.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich reise gerne und viel. Ich arbeite viel und habe gut verdient. Deswegen muss ich nicht auf den Cent gucken, wenn ich reise. Ich wei\u00df dennoch, was der Euro wert ist. 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